The Social Network
Kann Geselligkeit denn Sünde sein? Mark Zuckerberg erfindet Facebook, Ben Merzich schreibt drüber und David Fincher macht den Film. Oder wer hat's erfunden? Und warum hilft Ben M. der Realität mit Sex, Drugs and Geek'n'Roll auf die Sprünge? David Fincher gefällt's natürlich und so macht das Buch The Accidental Billionaires das Rennen zur Filmvorlage, Merzichs Verwurstung der Wahrheit, und lässt The Facebook Effect, den spröden Rivalen von David Kirkpatrick hinter sich. Mark Zuckerberg gibt dem zweiten mehr Sympathien, kann er dort immerhin den Willen zur aufrichtigen Recherche erkennen. Stimmen tun beide nicht. Aber die Realität ist wahrscheinlich viel zu langweilig, selbst wenn es von den Fakten her noch so spannend klingen mag. Wie zum Beispiel die 25 Milliarden, die Facebook nun wert sein soll. Super spannend. Und es kann ja nicht sein, dass so eine Geschichte ohne Blow-Job in der öffentlichen Toilette und Kokain im weiblichen Bauchnabel erzählt wird.
Und auf so eine Aufhübschung der Fakten scheint sich Ben Merzich spezialisiert zu haben. Zufällig habe ich diesen Sommer seinen Bestseller von 2002 gelesen, Bringing Down The House, Film und die deutsche Ausgabe sind schlicht mit 21 tituliert. Hier wird das gleiche Lebensgefühl vermittelt, nur mit Vegas, Casinos und über-coolen Kartenzähl-Typen. Mit dem selben Ergebnis: Das schnelle große Geld bei minimalem Einsatz und immer schön an der Grenze von Legalität, Moral und Anstand vorbeischrammend. Für manche mag das ja das Ziel aller Wünsche sein, ich finde es eher langweilig und fast deprimierend. Und so hinterließ auch der Film einen schalen Beigeschmack. Viel spannender finde ich diese Webseite hier, wo Wahrheit und Fiktion nett gegenübergestellt werden und auch die Hauptperson zu Wort kommt. In echt also. Und leider muss er zugeben, dass er mit der fiktiven Hauptperson nicht viel gemein hat, er aber gerne bereit sei, seine Erinnerungen auszutauschen, denn die Realität ist leider harte Arbeit und nicht glamourös.
Aber soll man jetzt dem echten Zuckerberg das glauben? Ist das nicht die Masche von Facebook, Google und neuerdings auch Microsoft: "Wir sind die Guten und tun euch nichts"? Vielleicht ist es ihm da ganz recht, dass ein cineastischer Farbklecks ins graue-Mäuschen-Bild kommt, von dem er sich souverän und mit einer sympathischen Portion Selbstironie distanzieren kann. Dumm ist er ja nicht, der Mark. Auch wenn die erwirtschafteten 25 Milliarden im Alter von 26 es nicht zwingend beweisen, ein gutes Indiz sind sie alle mal. Also ein "well done" an alle Beteiligen, ob Film, Buch oder echtes Leben. Im Prinzip vermischt sich das ja ohnehin alles und Wahrheit und Lüge werden durch künstlerische Freiheit ersetzt. Natürlich nur, wenn es der Gewinnmaximierung dient.
Nebenbei gesagt und in eigener Sache: Irgendwie spüre ich den starken Drang meinen Facebook-Account in Kürze zu löschen.
Über Bucks Blog
Buck lebt in London, liebt Movies, hasst Shopping, glaubt an Gott und schreibt was ihm so einfällt.
Wer will, darf's lesen.
Kommentare
nix fazzebuk
Tom | 20/10/2010, 11:12
Grabräuberin88
Stephi | 11/02/2011, 18:18
1. Seit wann bist du denn bei Facebook. 2. Hab dich dann wohl leider nicht in der Liste und 3. bei Facebook wieder richtig löschen? Geht doch gar nicht, der nette Herr Zuckerberg mag doch unsere Daten so gern, dass er sie für den Rest seines Lebens behalten möchte. Zumindest die, die man brauchte um sich dort überhaupt anzumelden. Und das ist DisLIKE :/



ich bin noch nicht mal bei Facebook und vermisse nix. frei nach der Devise, man muss ja nicht immer alles mitmachen. :)