Brüno

Der Hype um Borat hatte mich damals nur genervt. Und als sich dieses Jahr Brüno als die nächste Sascha-Baron-Cohen-(Pseudo?)Doku-Comedy anschickte den Humor des Sommers 2009 zu bestimmen, hoffte ich insgeheim, dass es eine floppende Bauchlandung wird und ich mir diese Fresse nicht die nächsten Jahre in allen Medien auf und ab angucken muss. Fehlanzeige: Brüno floppt nicht. Und es kommt noch schlimmer: Ich selbst bin so in den Brüno-Sog geraten, dass ich mir den Film nicht nur angeguckt, sondern mich bis an die Schmerzgrenze vor Lachen ausgeschüttet habe. Bin ich deswegen ein schlechter Mensch und moralisch am Abgrund oder gar schon im freien Fall?
Man könnte dieser Meinung sein, wenn man Elemente des Films mit nüchternen Worten zu beschreiben versucht: Brüno und sein Assistent sind in höchst bizarren Outfits auf dem Hotelzimmerbett aneinander gekettet und weil sie den Schlüssel nicht mehr haben und niemand sie voneinander befreiend will ziehen sie so durch die Stadt, stolpern durch Busse und mitten in eine Anti-Gay-Demonstration hinein. Ha-ha... Was soll daran komisch sein? Ich konnte es mir auch nicht vorstellen, aber alles was platt, blöd provokant oder einfach nur geschmacklos hätte sein können, ist irgendwie zum brüllen komisch.
Ich bin auf dem besten Wegen ein Sacha Baron Cohen Fan zu werden und als solcher habe ich ein bisschen auf Wikipedia über ihn gelesen. Der Mann scheint nicht dumm zu sein. Und außerdem gibt er kaum was von seinem Privatleben preis. Er scheint mit seiner Verloben ein Kind zu haben und sie sei nach drei Jahren religiösen Unterricht zu seiner Religion, dem Judentum, übergetreten. Hat mich irgendwie überrascht.
Aber was ist nun das Rezept des Erfolges. Man weiß gar nicht so Recht auf wessen Kosten die Scherze eigentlich gemacht werden. Die Homophoben, die Schwulen, die Medien, die Modewelt, die im nahen, mittleren oder fernen Osten, schwarz, weiß, groß, klein, Christen, Moslems, Juden, Promis... - sie alle kriegen irgendwie ihr Fett weg und irgendwie auch nicht. Der Brite macht ja bekanntlich Witze über das was ihm unangenehm ist, das was er nicht versteht, das was er eigentlich kritisieren möchte ohne kritisch zu sein, als Friedenspfeife quasi an alle die mitlachen können, am besten über sich selbst. Über Feinde macht man keine Witze.
Mit Brüno hat dieser Humor schließlich auch den Hosenlatz erreicht und damit wird sich mit der englischen Prüderie und den über die Stränge schlagenden Eskapaden gleichermaßen versöhnt. Das tun dann auch die Kinos indem sie gleich zwei Versionen des Films zeigen. Die ab 18 und dann die geschnittene für die zarteren Gemüter oder unter 18-jährigen, denen ein rumgewedelter Pimmel in Frontalaufnahme nicht zugemutet werden kann. Bei aller Liebe zum britischen Humor, das ist dann doch zuviel des schlechten Geschmacks.
Über Bucks Blog
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