Spielen wir Krieg?

Ich hatte nicht danach gefragt und hatte es nie gewollt. Mein Kollege drückte mir einfach CoD in die Hand - WaW.
„Musst du spielen, ist gut!“
Nun denn, es kam sogar ein Abend an dem ich nichts so recht mit mir anzufangen wusste. Prädestiniert dafür die PS3 anzuschmeißen. Die hatte ich mir Anfang des Jahres selbst zum Geburtstag geschenkt und bin immer noch ganz hibbelig, wenn es los geht. Und da lag nun das Spiel: CoD: WaW (Übersetzung für die Nicht-Gamer: Call of Duty: World at War
. Mir waren diese Titel bislang auch fremd, aber dass es sich um ein Kriegsspiel handelt habe vom Cover her selbst ich kapiert.) Ich habe noch nie Krieg gespielt, wurde mir als Junge verboten.
„Die Kriege auf der Welt sind schlimm genug, da muss man sie nicht noch spielen.“
Das ist die Stimme meiner Mutter, die irgendwie ihren Weg in mein Oberstübchen gebahnt und sich zu so was wie meinem Anti-Kriegs-Über-Ich gemausert hat. Mein Kriegs-Es startete das Spiel. Ich musste erstmal schwer schlucken, als mir mehrere Dinge gleichzeitig bewusst wurden.
Hier spielt man nicht fiktiven Krieg, sondern echten. Für CoD-Kenner ist dieser Kronleuchter der mir aufging natürlich banal, aber so was gabs in meiner Welt vorher nicht: Der zweite Weltkrieg nett aufbereitet fürs Wohnzimmer, historisches Bildmaterial inklusive. Und das war der zweite Hammer: Ich sehe Hinrichtungen, Bombenhagel und Grabenkämpfe als schmückendes Beiwerk sozusagen im Original. Unglaublich.
„Call of Duty: World at War contains graphic content and historical footage which some players may find disturbing.",
wird man gewarnt. Ich gehöre eindeutig zu dieser Sorte Spieler und muss mich mit meinem Gewissen beraten, ob ich Kriegsschrecken als Zeitvertreib verantworten kann. Gewissen sagt, dass es ja auch viele Kriegsfilme gibt und die guckt man ja auch nicht ausschließlich zu Weiterbildungszwecken. Nun gut, ich starte den ersten Level und muss auch hier ein paar brutale Szenen ertragen, wenn auch fiktiv diesmal. Dann geht es los. Ich bin ein Amerikaner im Pazifik, der gegen die Japaner kämpft. Allerdings nicht sehr gut, denn ich kapiere nicht, warum ich ständig getötet werde. Im Nacken habe ich immer noch das schlechte Gewissen etwas zu tun, was ich nicht tun darf und so richtig Spielspaß will nicht aufkommen. Ich schalte aus und beschwere mich am nächsten Tag beim Kollegen.
„Ja, ich hab's auch nie richtig gespielt, aber da sind am Anfang gleich Granaten, da musst du weglaufen!“
Warum empfiehlt er mir eigentlich ein Spiel, dass er selbst gar nicht richtig gespielt hat? Wie es der Zufall so will, kam es dann aber doch zu einem zweiten Mal. Nun allerdings im Cooperative-Modus, zusammen mit meinem Mitbewohner. Und siehe da, mit bereits abgestumpfter Seele schmiss ich mich gleich ins Geschehen. Den Granaten wich ich aus und es machte so richtig Spaß, Seite an Seite mit einem Freund zu kämpfen. Es war um unsere bisher eher pazifistische WG geschehen. Nazis erschießen ist nun fester Bestandteil unser Hauskultur. Ganz besonders haben es uns die Nazi-Zombies angetan. Ein leicht alberner Modus in dem eine Baracke in Wellen von Zombies in Naziuniformen angegriffen wird, - bis man tot ist.
Die Kampf-Missionen sind da schon anders. Sie sind echten Schauplätzen und Schlachten aus den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs nachempfunden und das nicht sonderlich beschönigend. Und so halte ich mein Über-Ich in Schach: Es wurde doch mal Zeit, dass ich nach der behüteten Kindheit dem Schrecken des Krieges ins Auge blicke, samt Hakenkreuzen, Panzerfäusten und Waffenarsenal. In der deutschen Version haben sie die Hakenkreuze ja raus machen müssen und auch sonst noch einiges zensiert. Da sind die hier in UK nicht sonderlich zimperlich und auch ich auch nicht mehr. Ein paar Wochen CoD - WaW gespielt und die Verrohung ist erfolgreich abgeschlossen. Meiner Mutter hab ich’s auch schon erzählt, aber natürlich beschönigend. Zeigen wie es wirklich ist, würde ich ihr nie!
Über Bucks Blog
Buck lebt in London, liebt Movies, hasst Shopping, glaubt an Gott und schreibt was ihm so einfällt.
Wer will, darf's lesen.
Kommentare
Coop
Christoph | 10/05/2010, 09:54
Coop
buck | 10/05/2010, 12:12
Es war Anfang ein bisschen nervig, weil man nur den Stand im Coop-Modus starten konnte, den man als Einzelspieler schon durchgespielt hatte und ich eine Zeit brauchte, um das zu kapieren...
Ich bin jetzt aber durch, allein und auch zu zweit. Beeindrucken das Ende, wenn man als Russen den Reichstag stürmt :-O
Geh lieber in die Welt
Michael | 10/05/2010, 19:02
Du solltest dich dich lieber einer Hilfsorganisation anschliessen und die wahre Welt kennenlernen Buck. Anstatt die Idiotenspiele zu spielen. Mein Onkel war auch Nazi und ist mit 19 in Stalingrad gefallen. Was soll dieser ganze Schwachsinn !! Die ganze Welt verreckt gerade und dir fällt nichts besseres ein. Sagt dir das deine Gemeinde. Tu was. So das du eines Tages wenn du ins Grass beist mit deinen letzten Atemzügen stolz in den Himmel schauen kannst und sagen kannst " Ich hab es getan "
kein Betreff
buck | 11/05/2010, 09:57
Ähhh... Ja.
(Was machst du eigentlich auf meinem Blog, Michael, denn solltest du doch gar nicht kennen.)
Guter alter Freund
Michael | 11/05/2010, 17:42
Ja dieses Netz ist so Transparent. Mit so einem Blog is das genauso wie wenn du vor der ganzen Welt deine Hosen runter lässt. Ich find Ihn aber klasse. Bis dann Buck
Wie gut...
buck | 12/05/2010, 09:51
...dass ich nichts zu verbergen habe ;) Danke und bis bald mal wieder!



Coop-Modi sind ohnehin die besten. Leider sind diese sehr rar.