Quick Death

Es fühlt sich an wie ein bisschen Sterben. Mein Blog-Eintrag von gestern ist weg. Über eine geheimnisvolle Schrift an meiner Wand ging es, mit Anleihen an biblischen Geschichten von einem babylonischen König sowie Samson und sogar ein Preisrätsel gab es, in dem meine geneigten Leser aufgefordert wurden den Ursprung dieser Schrift zu erraten. Getippt hatte ich das ganze auf meinem iPhone mit Quickoffice, einer Office-Application, die ich extra für den Zweck des mobilen Blogschreibens für sage und schreibe £7,99 erworben hatte. Als Ergebnis einer Kurzrecherche schien Quickoffice die beste Wahl: Gute Rezensionen, anständige Auswahl an Formaten und sogar Google-Documents unterstützt das Programm. Und so saß ich gestern beim Sonnenschein im Garten und tippte auf der Touchscreentastatur für eine knappe Stunde. Der Artikel war so gut wie fertig (ich feilte nur noch ein bisschen an der Formulierung des Preises für den Rätselgewinner) und mit einem fast hörbaren Bling wurde der Bildschirm schwarz.
Dann erschien die iPhone Startseite. Ich war genervt aber nicht bestürzt, wurde doch mein einstündiges Schreiben in regelmäßigen Abständen von einer automatischen Sicherungsfunktion unterbrochen. Was mich beim Schreiben nervte (wieso kann so was nicht im Hintergrund sichern?!), mir nun aber ein gutes Gefühl gab, nicht den kompletten Text verloren zu haben.
Ich starte Quickoffice erneut und brav wurde mein Artikel aus dem Datennirvana gezaubert. Ich touch-flickte bis zum Ende und stellte fest, dass die paar Sätze Verlust zwar ärgerlich aber erträglich waren. Ich tatschte auf den Back-Pfeil, um in der Dokumenten-Übersicht meiner lieb gewonnen Bibel-Mystery-Story einen anständigen Titel zu geben. Autosave macht da irgendwas mit "Untitled.blabla.doc". Nur tauchte mein Geschichte nicht in der Dokumenten-Übersicht auf, ergo ich konnte nichts umbenennen oder geschweige denn wieder öffnen.
Nun ist beim iPhone ja alles ganz einfach und Anwender freundlich gestaltet. Ein "back" vom Back-Pfeil ist da natürlich nicht dabei. Ich sagte ja schon, es ist wie ein bisschen Sterben. Die Tatsache, dass etwas plötzlich weg ist, einfach so, ohne Ankündigung, nachvollziehbarer Erklärung und gänzlich außerhalb der eigenen Kontrolle ist einfach verstörend. Ich patschte auf meinem Telefon rum, guckte hier und da (es gibt leider nicht viel hier und da, aber alles was es gibt überprüfte ich) und kann es einen Tag später eigentlich immer noch nicht glauben: Der Text jetzt weg. Einfach so.
Obwohl es absolut keinen Sinn macht überprüfte ich sogar noch die Quickoffice Online-Funktion. Bei der Installation hatte ich meine Zugangsdaten für Google-Docs eingegeben und auch da schon mal erfolgreich was abgespeichert. Vielleicht hatte sich mein Text ja dahin verirrt? (Ich weiß, die letzte Hoffnung eines Verzweifelten.) Wie zum Hohn teile mir Quickoffice mit, dass ich keinen Quickoffice-Account hätte und diesen erstmal anlegen müsse, um an meine Dokumente zu kommen. Die haben scheinbar den ungehinderten und wirklich bequemen Zugang zu den eigenen Google-Daten mit einem der letzten Updates abgeschafft und zwingen mir nun eine dämliche hauseigene Registrierung auf. Ich könnte morden.
Heute bin ich nur halbwegs drüber hinweg. Ich hatte versucht den Text neu zu schreiben, aber das klappte nicht. Ich hatte auch überlegt, wie man nun mit diesen Quickoffice-Knalltüten den Marsch blasen kann. Geld zurück verlangen, niederschmetterndes Review schreiben, eine böse Supportanfrage abschicken? Man fühlt sich ja so hilflos! Bei Windows kann man immerhin noch nach irgendwelchen kryptischen ~-Dateien suchen oder Temp-Ordner durchstöbern. Bei aller sonstigen Microsoft-Kritik, ein solcher Datentotalverlust ist mir mit Word schon ewig nicht mehr passiert.
Anstelle jemanden zu erschlagen oder böse Briefe zu schreiben, die eh keinen interessieren, blogge ich nun drüber. Therapeutisches Schreiben nenne ich das dann und es hilft. Zumindest wenn ich es in OpenOffice auf meinem Laptop verfasse. Denn mein Word 2003 stellt sich bei der deutschen Rechtschreibung stur und will nichts überprüfen. Nur Englisch, Spanisch und Französisch kennt es.Aber lassen wir das, man ist ja mittlerweile schon zufrieden, wenn der Text nicht einfach verpufft.
Nachtrag, 18.03.2010, 15:53 Uhr Scheint bei denen bekannt zu sein, das Problem. Und sie arbeiten dran. Obwohl, nach einem Programm-Crash versucht man ja als erstes das wiederhergestellte Dokument zu "sichern" anstelle sich auf weitere Editier-Experimente einzulassen. Und ausgerechnet das führt dann zum Datenverlust. Verrückt.
Ich hatte doch noch eine Supportanfrage losgeschickt. Quickoffice hat freundlich reagiert und sich entschuldigt.
Unfortunately, in this case, I'm afraid, the file wasn't saved, as when you open an automatically saved file, you need to edit it before saving. Our developers are working on the 'Save as' option for automatically saved files, so this option should be available in a one of our next releases. Please accept our apologies for such a huge inconvenience caused.
Über Bucks Blog
Buck lebt in London, liebt Movies, hasst Shopping, glaubt an Gott und schreibt was ihm so einfällt.
Wer will, darf's lesen.


