6 Jahre LOST

Nun ist es passiert. LOST ist vorbei, nach 6 Jahren. Das ist fast so lang wie ich in London lebe. Das Ende einer Ära sozusagen. Nachdem sich der Super-Hype ab Staffel 3 ein bisschen abschwächte und die weltweite Zuschauerschaft zunehmend verstört vor den Fernsehern sitzen gelassen wurde, hatte man das alles doch ein bisschen zackiger abgewickelt als zu Blütezeiten der Quoten geplant. Von 7 Staffeln wurde damals gesprochen, nun wurden es 6. 24 Folgen waren es noch in den ersten Staffeln, dann nur noch 17 oder 18. Aber das ist alles Nebensache. Wichtig ist vielmehr, dass mit dem Ende nun auch die Stunde der Wahrheit kommt: Habe ich nun 6 Fernsehjahre meines Lebens verschwendet, für Jack, Kate, Sawyer, Hurley, Desmond und wie sie noch alle heißen emotionale Energie aufzuwenden, um dann eventuell in einem Finale miterleben zu müssen, wie die sorgsam gesponnen Geschichten mit all ihren kunstvollen Rück-, Vor- und in der letzten Staffel sogar Seitenblicken letztendlich ins Leere führen? Die Stunde der LOST-Wahrheit ist da, ich habe die letzte Doppelfolge (über 100 Minuten insgesamt) gesehen und ich muss sagen...
…ich weiß nicht so recht...
Hat es sich wirklich gelohnt? Einerseits steuerte alles auf ein Rundum-Happyend hin. Alle fünf Minuten trieb es mir die Tränen der Rührung in die Augen, als erneut ein Handlungsstrang (meist durch ein sich liebendes Pärchen abgesteckt) in Glück, Zweisamkeit und gemeinsamer Erinnerung mündete. Alles ist jedoch überschattet von dem mega-epischen Hintergrund-Mythos um Licht, Dunkelheit, Aufopferung, Kampfgeist und der Frage was denn nun aus all dem noch werden soll.
Die Macher haben sich für einen gordischen Knoten entschieden. Allerdings wird der nicht offen brutal, sondern hintergründig subtil zerschlagen, was nicht weniger schmerzhaft ist, sondern nach einem Moment der Verstörung so richtig weh tut. Aber das wird im Auge und der Interpretation des Betrachters bleiben. Vorsorglich werden die letzten Szenen auf dem Schauplatz einer alle Religionen verschmelzenden Superkirche inszeniert (für die es sicher einen offiziellen Namen gibt, aber ich kenn mich damit nicht so aus) und unabhängig von Weltanschauung und Glaubensrichtung als größter gemeinsamer Metaphysik-Nenner dem Weltpublikum vorgesetzt. Das Weltpublikum will aber eher Antworten, doch um die (Überraschung!) geht es zum Schluss gar nicht mehr. Um das Miteinander geht es, den Moment, Begegnungen und Menschlichkeit. Das ist ja alles auch schön und gut, aber irgendwie auch wieder nicht.
Und der Insel-Teil der Story, der sich immer mehr zum apokalyptischen Heldendrama mausert endet dann sehr gefühlvoll, ruhig, friedlich... Erlöst? Durch den Tod? ...aber eben nicht mit Antworten! Jedenfalls nicht für mich. Um die zu kriegen muss ich jetzt mal den Lost-Blog bei Spiegel-Online studieren. Die aufgeweckten Journalisten-Pfiffikusse von Spiegel-Online haben immer Antworten. Immerhin.
Über Bucks Blog
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