Die Maske

Seit kurzem fahre ich mit diesem schwarzen Ding im Gesicht rum. Über ein Jahr radel ich nun durch Londons Auspuffgase und konnte mich erst jetzt dazu durchringen, so eine Maske als kleineres Übel gegenüber dem Dreck in meinen Lungen zu betrachten. Mein Atmungssystem musste sich erst zu Wort melden. Während des Fahrradfahrens litt ich immer deutlicher an Atemnot. Ein blödes Gefühl, wenn die Lunge einfach nicht mehr tief einatmen will, vor allem wenn es darum geht durchzustarten, um eine gerade noch grüne Ampel zu erwischen. Hinzu kam ein unangenehmer Reizhusten, der sich aufschaukelte sobald angefangen und ich immer öfter auf dem Rad oder am Schreibtisch wie ein Ketten-Raucher trocken abhustete ohne irgendwas abzuhusten. Also entschied ich mich die subtilen Signale meines Körpers nicht länger zu ignorieren und bestellte auf wiggle.co.uk eine dieser Atemmasken.
Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal gelesen, dass die Luftverschmutzung in London 30 gerauchten Zigaretten am Tag gleichkommt. Wie viel mehr ist das dann, wenn man täglich direkt hinter Bus- und Lkw-Auspuffen inhaliert? Mir war klar, dass so eine Maske auf Mund und Nase einer gewissen Gewöhnung bedarf, aber war nun bereit den Preis zu zahlen. ("Preis" jetzt als Metapher für körperliches Unbehagen, von den £30 Pfund die so ein Stück Neopren kostet und den £12 die man für die monatlich zu wechselnden Filtereinsätze ausgibt, rede ich gar nicht.) Die Maske wurde geliefert und ich probierte sie an.
Irgendwie schien das ganze Ding zu klein zu sein. Platzierte ich es auf meinem Nasenrücken, ließ sich das Kinn nicht richtig abdecken, schob sich sie runter, saß die verformbare Metallklemme direkt über der Nasenspitze und fühlte sich an wie kurz vorm Runterrutschen. Ich überprüfte Größe. Es war "large" – größer gibt es nicht. Also machte ich auf der Heimfahrt die Probe aufs Exempel und die war ernüchternd. Der Metallclip drückt die Nase zu, so dass da nicht an Atmen zu denken ist. Lockert man ihn ein bisschen, deckt er nicht richtig ab und die Brille beschlägt sich durchs Ausatmen. Die gebückte Haltung auf dem Fahrrad führt dazu, dass die Maske wirklich runterrutscht und überhaupt fühlt es sich so an, als würde der kratzige Filter die Lippen wund reiben während man doch immer noch Luft dran vorbei einatmet. Außerdem bildet sich durch die Atmung Feuchtigkeit, die dann im Filter hängt oder gleich aus der Nase läuft, was die ganze Erfahrung nicht gerade angenehmer macht.
Doch als ich wieder ohne Maske fuhr, merkte ich dass die Luft mit Maske trotz allen Nachteilen deutlich sauberer ist. Die schwerere Atmung ist nur auf den höheren Widerstand durch den Filter zurückzuführen und nicht auf das Kohlenmonoxid. Auch der Gestank ist so gut wie nicht mehr da, was sicher nicht nur daran liegt, dass er von dem seltsamen Eigengeruch des Filtergewebes überdeckt wird. Husten ist auch besser. Also vertraute ich auf die dem Menschen so zu eigne Macht der Gewöhnung und fuhr stur mit Maske weiter.
Und in der Tat, nach ein paar Wochen ist alles besser. Wenn man den Kopf schon beim Anlegen zurück neigt, rutsch es nachher nicht mehr. Den Kniff des richtigen Biegungswinkels der Metallklemme habe ich auch raus. Ein Kratzen spüre ich kaum noch, die Nase ziehe ich gelegentlich kräftig hoch, die Feuchtigkeit durchs Ausatmen macht es irgendwie kuscheliger und der Filtergeruch ist nun positiv besetzt. Klasse, mit was man sich so alles anfreunden kann. Obendrein kriege ich nun mehr Respekt auf der Straße, denn von der Maske geht anscheinend etwas gefährlich Aggressives aus. Jedenfalls den Blicken nach zu urteilen, die ich nun ernte. Ich fühle mich wie ein Darth Vader der Straßen. So hört sich jetzt auch meine Atmung an, wenn ich richtig Gas gebe: echhhhhh - rrhhhhhh - echhhhhh - rrhhhhhh. Aber wie schon gesagt, dass liegt am Filterwiderstand und diesen kleinen Klappen auf beiden Seiten und ist vollkommen unbedenklich. Ehrlich.
Über Bucks Blog
Buck lebt in London, liebt Movies, hasst Shopping, glaubt an Gott und schreibt was ihm so einfällt.
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Kommentare
kein Betreff
Tom | 14/06/2010, 12:00
echhhhhh - rrhhhhhh - echhhhhh - rrhhhhhh
Laraba | 14/06/2010, 20:46
*kicher* - dein Humor ist echt klasse!
Ansonsten kann ich nur sagen: "good onya" - was bringt's, wenn Du bald 'ne fies verschmutzte Lunge hast... :-)
*Keuch Keuch*
Sven | 15/06/2010, 09:33
*keuch keuch* Lukkeeee ... ich bin dein Vater :D :D Nix für ungut Buck, aber das Teil ist zum schießen komisch ;-)
Super
Michael | 16/06/2010, 18:15
Klasse Buck. Du bist ein echter Biker. Würde dich sehr gerne mal wieder besuchen.
kein Betreff
Male | 17/06/2010, 05:28
wir sind Maskengeschwister, obwohl meine bei weitem nicht so schick ist,...da wir ja hier immer weider fiesen Boden abzuschleifen hatten, mußte ich auch "auf Maske" umsteigen.
Hab dann auch weniger gekeucht und rumgehustet.
Aber deine ist ja echt der Vollburner.
Ja da sind wir ja alle froh dass du mit dem Rauchen aufgehört hast, hüstel,...denn so hast du das Geld ja nun "über" um die Filter zu kaufen....ohne Filter war schon immer schlecht für die Lunge,...hömpf



Also das mit dem Respekt, oder besser gesagt der Angst, nehme ich dir sofort ab. Wie ein Wunschschwiegersohn siehst damit nicht aus. Aber wenns hilft, warum nicht.
Ist aber Mist, dass sowas überhaupt notwendig ist. Da bin ich mal wieder froh auf dem Lande zu wohnen.
PS: du bist nicht mein Vater! :)